Hundeaufzucht: Erziehung

Foto: Dobermann Welpen von Fran Hogan

Wer sich einen Hund ins Haus holen möchte, den erwartet eine spannende Zeit – aber auch eine voller Verantwortung. Sie haben sich gründlich informiert, einen Welpen ausgewählt und nun ist es soweit: Er kommt zu Ihnen nach Hause. Am Tag vorher sollten Sie schon einige Dinge bereitstellen. Neben Futter- und Wassernapf benötigt Ihr Welpe in Ihrem Haushalt vor allem einen festen Ort, an den er sich zurückziehen und wo er schlafen kann: seinen Platz. Dieser sollte an einem ruhigen und zugfreien Ort stehen, von wo der Welpe die Familie beobachten kann, aber dem Trubel nicht unmittelbar ausgesetzt ist. Bevor der Welpe nicht ausgewachsen ist, lohnt sich die Investition in ein exklusives Hundebett meist nicht - zunächst gibt es die „Überraschungseier“ vor allem unter den Mischlingswelpen, bei denen die prognostizierte Größe um etliches von der Endgröße abweichen kann; zum anderen ist da noch das kleine Problem mit der Stubenreinheit.

 

Der Hundekorb, die passende Decke und "kleine Missgeschicke"


Legen Sie das Hundekörbchen oder die Hundedecke anfänglich am besten mit Zeitungen oder einer speziellen Welpenunterlage aus saugfähigem Zellstoff aus. Zwar beschmutzen Hunde in der Regel ihren Schlafplatz nicht, doch kann in den ersten Wochen oftmals noch ein Missgeschick passieren. Ob Sie zur Stubenreinerziehung eine so genannte Welpentoilette aus dem Fachhandel benutzen möchten, ist Geschmackssache – notwendig ist sie nicht. Wenn der Welpe nach jedem Schläfchen und nach jeder Mahlzeit an einen festen Löseort nach draußen geführt und nach Verrichten seines Geschäfts jedesmal kräftig gelobt wird, stellt sich bei ihm bald von selbst die Verknüpfung "Löseort für Geschäft" = "gut" her.

 

Positive Bestärkung für den Welpen

 

Die Methode mit dem Lob für zu Ihrer Zufriedenheit ausgeführte Handlungen nennt man positive Bestärkung. Wichtig ist, dass das Lob, die Streicheleinheit oder auch der Bestechungskeks unmittelbar auf die positive Handlung erfolgen, sodass der Welpe weiß, weshalb Sie sich so freuen. Ebenso wichtig ist, die gewünschte Handlung immer mit dem Befehl zu kommentieren, den Sie dafür verwenden möchten. Wenn der Welpe sich beispielsweise löst und Sie dies jedes Mal mit „Mach fein Pipi“ oder Ähnlichem kommentieren, wird der Hund den Klang Ihrer Worte bald mit der Handlung verknüpfen können. Dies ist besonders sinnvoll, wenn Sie beispielsweise in der Stadt unterwegs sind, wo sich der Hund nicht an jedem Ort lösen darf, sondern Sie ihn gezielt zu einem abseits gelegenen Baum oder Rasenstück führen und dort „auf Befehl“ sein Geschäft verrichten lassen.

Positive Bestärkung impliziert auch das Fehlen von Strafe. Zwar kommunizieren die Ahnen unserer Hunde durchaus nicht nur mit positiver Bestärkung miteinander, doch fehlt uns Menschen Gespür und Timing für richtiges bzw. angemessenes Strafen. Selbst der viel bemühte Schnauzengriff, der oft mit dem Argument „Das macht die Hundemutter doch auch so“ begleitet wird, heißt nicht, dass wir in der Lage sind, Hunde artgerecht zu maßregeln - sondern ist eher ein Zeichen der unendlichen Langmut unserer Hunde, die ihn erdulden. Dass Sie Ihren Hund niemals schlagen sollten, muss hier wohl nicht gesondert erwähnt werden. Negatives Verhalten ist also einfach zu ignorieren. Wobei, so einfach ist das gar nicht; und insbesondere am Anfang kann ein draufgängerischer Welpe seinen Menschen schon so einiges an Nerven kosten.

 

Die ersten Kommandos


Grundgehorsam - Komm, Sitz, Platz und Bleib - können Sie Ihrem Welpen ebenfalls über positive Bestärkung beibringen. Insbesondere „Sitz“ ist mit Hilfe einer Hand voll Belohnungskekse schnell beigebracht, denn das „Sitz“ entspricht einer natürlichen Haltung des Hundes. Wenn Sie Ihrem Welpen das „Sitz“ beibringen, halten Sie ihm zunächst ein Leckerchen vor die Nase. Will er mit der Schnauze danach fassen, führen Sie es behutsam vor bzw. über seinem Kopf höher, sodass er die Nase danach reckt und sich schließlich automatisch hinsetzt, um es zu erreichen. Sitzt der Welpe, sagen Sie klar und deutlich „Sitz“ und loben ihn. Den Keks gibt es dann als Belohnung für das korrekt ausgeführte Kommando. Dies wiederholen Sie so oft, bis der Welpe seine Bewegung mit dem Hörzeichen verknüpft hat und sich auf Ihre Aufforderung auch ohne Keks hinsetzt. Mit dieser positiven Bestärkung lassen sich auch andere Kommandos einüben. Aber Achtung! Ihr Welpe hat noch eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne, nach wenigen Übungsminuten sollten Sie das Training beenden.

 

Der richtige Name


Möchten Sie Ihrem Hund seinen Namen beibringen, raten viele Fachleute dazu, den Namen in die Kommandos zu integrieren, also „Luna sitz“ und ihn immer, wenn man mit dem Hund kommuniziert, zu nutzen: „Hier hast Du Dein Futter, Luna, gehen wir danach spazieren, Luna?“ Bald macht es beim Hund „klick“, und er assoziiert den Namen mit etwas Positivem, das mit ihm zu tun hat. Apropos klick: Man kann die Kommandos auch mit der Clickermethode festigen. Hierzu gibt es unzählige Bücher, darum nur so viel: Der Klicker, eine Art Knackfrosch, wirkt wie eine akustische positive Bestärkung. Im Gegensatz zur menschlichen Stimme, deren „Fein“ je nach Tagesform unterschiedliche Nuancen haben kann (beispielsweise, wenn man gehetzt, verärgert etc. ist), bleibt der Clickerton immer gleich.

 

Mit Geduld: Das Apportieren


Auch apportieren kann man den meisten Hunden leicht beibringen, da man sich dabei den angeborenen Beutetrieb zunutze macht. Beginnen Sie zu Hause, nicht in der freien Natur - dort lauern zu viele Ablenkungen. Nehmen Sie einen Gegenstand (Dummy, Spieltau, Stöckchen) und machen Sie ihn für den Hund mit viel „uiii“ und Hin- und Herbewegungen interessant. Werfen Sie ihn weg und geben Sie das gewünschte Kommando („Hol’s!“, „Apport!“, „Bring!“). Hat der Hund den Gegenstand genommen, loben Sie ihn überschwänglich und rufen Sie ihn zu sich. Nehmen Sie ihm den Gegenstand mit „Aus“ oder „Lass los“ ab. Will er ihn nicht rausrücken, bieten Sie ihm zum Tausch ein Leckerli an - schon stellt sich bei Ihrem Hund wieder ein positiv bestärkter Belohnungseffekt ein.